Wie ChatGPT eingesetzt werden kann für die Zielgruppenanalyse und Marketingstrategie

Mit künstlicher Intelligenz Schritt für Schritt zu einem Marketingkonzept

Von ​Carine Weiss

Noch nie war es so leicht, eine wirkungsvolle Marketingstrategie für ein Event zu entwickeln wie heute. Dank Tools wie ChatGPT können nun auch Menschen ohne Marketinghintergrund mit gezielten Prompts ihre Zielgruppe tiefgreifend analysieren, deren Bedürfnisse verstehen und daraus eine passgenaue Social-Media-Strategie entwickeln, die das Zielpublikum genau da abholt, wo sie jetzt steht.

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Mit künstlicher Intelligenz Schritt für Schritt zu einem Marketingkonzept
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Eine Marketingstrategie ohne Marketingkenntnisse.

Für das kommende MMS Symposium 2025, habe ich zur künstlichen Intelligenz (KI) gegriffen. Die folgenden Schritte zeigen, wie aus einer präzisen Zielgruppenanalyse eine fundierte Kommunikationsstrategie wird, die die richtigen Menschen erreicht und animieren soll sich anzumelden. Das MMS Symposium ist nicht einfach irgendein Event im Jahr, sondern eine Konferenz mit ausgezeichneten Redner:innen, die eine Plattform bietet um sich auszutauschen, zu vernetzten und neue Kontakte zu knüpfen.

1. Zielgruppenanalyse: Wer soll kommen und warum?

Bevor du Posts erstellst, Hashtags suchst oder eine Event-Website gestaltest, brauchst du vor allem eins: Klarheit darüber, wen du erreichen willst. Denn nur wenn du weisst, für wen du kommunizierst, kannst du entscheiden, wie, wo und womit du kommunizierst.

Eine professionelle Zielgruppenanalyse hilft dir, die Menschen hinter den Institutionen zu verstehen: Was bewegt sie? Welche Sprache spricht sie an? Was hält sie davon ab, an einem Event teilzunehmen – und was begeistert sie so sehr, dass sie es sofort weitersagen wollen?

Das Thema des diesjährigen MMS Symposium 2025 ist «Kommerzielle Determinanten der Gesundheit – Markt. Macht. Menschenrechte?» und wir gehen den kommerziellen Determinanten der Gesundheit nach und fragen: Wie können Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft der wachsenden gesundheitlichen Ungleichheiten durch einseitige wirtschaftliche Interessen vorgehen? Damit dieses Thema über unser Netzwerk hinaus bekannt wird, setzen wir nicht nur auf die Zielgruppe unseres Netzwerkes, sondern auch auf Externe Fachpersonen aus der Politik und öffentlichen Gesundheit.

Deshalb haben wir eine klare Zielgruppenanalyse gemacht, wer für unser MMS Symposium in Frage kommt. Folgende Schritte können Dir helfen, Klarheit zu finden:

2.1. Bestehendes Netzwerk analysieren: Wer ist schon da?

Starte mit dem, was du bereits hast: deinem Netzwerk. Frage dich:

  • Welche Organisationen, Stiftungen, Fachpersonen oder Partner:innen gehören bereits zu meinem Umfeld?
  • Aus welchen Bereichen kommen sie. Z. B. Public Health, Entwicklungszusammenarbeit, Menschenrechte, Wissenschaft, zivilgesellschaftliche Organisationen?
  • Welche Themen verbinden sie? (z. B. Zugang zu Gesundheitsversorgung, wirtschaftliche Gerechtigkeit, politische Rahmenbedingungen)

Mein ChatGPT Prompt war: "Medicus Mundi Schweiz ist ein Netzwerk von rund 50 NGOS [alle Namen reingesetzt] und für sie organsisiere ich das nächste MMS Symposium zum Thema "Kommerzielle Determinanten der Gesundheit – Markt. Macht. Menschenrechte?". Dafür brauche ich eine klare Marketing Strategie um rund 100 Teilnehmer zu erreichen. Was braucht meine Zielgruppe? Was ist ihnen wichtig? Wie wollen sie angesprochen werden? Was sind no-goes..."

2.2 Neue Zielgruppen identifizieren: Wer könnte noch kom

Überlege dann, welche Personen oder Gruppen dein Thema ebenfalls spannend finden könnten, auch wenn sie bisher noch nicht aktiv dabei waren.

Frage dich:

  • Welche Fachbereiche, Studiengänge oder Berufsgruppen haben Berührungspunkte mit dem Thema (z. B. Medizinstudierende, Umweltethiker:innen, Gesundheitspolitiker:innen)?
  • Gibt es zivilgesellschaftliche Bewegungen oder Initiativen (z. B. zu Klima, Ernährung, Gender), die ähnliche Werte vertreten?
  • Welche internationalen Akteure (z. B. WHO, UN-Programme) arbeiten an angrenzenden Themen?

3. Gemeinsame Merkmale & Bedürfnisse herausarbeiten

Nun geht es darum, die Verbindungslinien zwischen den Zielgruppen zu erkennen: Was vereint sie in ihren Werten, ihrer Sprache, ihren Erwartungen.

Frage dich:

  • Werte: Stehen Themen wie Menschenrechte, Gerechtigkeit, Transparenz oder Partizipation im Vordergrund?
  • Sprache: Ist ein eher akademischer Ton angemessen oder lieber engagiert, klar, praxisnah?

Erwartungen: Suchen sie tiefgehende Analysen statt oberflächlicher Slogans? Möchten sie konkrete Handlungsmöglichkeiten statt leerer Problembenennung? Wollen sie echte Begegnungen statt Frontalbeschallung?


4. No-Gos und Stolperfallen identifizieren

Ebenso wichtig wie zu wissen, was gut ankommt, ist auch zu erkennen, was (oft ungewollt) abschreckt. Hier ein paar typische Stolperfallen in der Kommunikation:

  • Buzzwords ohne Substanz: Schlagworte wie „nachhaltig“ oder „transformativ“, wenn sie nicht mit echten Inhalten gefüllt sind
  • Zu akademisch oder elitär: Wenn der Ton zu theoretisch oder fachlich abgehoben ist, fühlen sich viele ausgeschlossen
  • Moralisierender Ton: Schuldzuweisungen („Wir sind alle mitverantwortlich…“) führen oft zu Rückzug statt Engagement
  • Tokenismus: Menschenrechte oder „Stimmen aus dem Süden“ als blosse Deko ohne echte Beteiligung

Mit diesen Überlegungen im Hintergrund habe ich folgende Anweisung (Prompt) an ChatGPT gegeben: "Erstelle ein Zielgruppenprofil für […]. Die Zielgruppe sind Fachpersonen aus NGOs, Forschung, Public Health und Zivilgesellschaft wie […] und arbeiten in der Schweiz. Bitte analysiere das jetzige Netzwerk und mögliche Externe Fachpersonen, was sind gemeinsame Merkmale und Bedürfnisse und was sind «No gos»."

5. Aus der Analyse ein Kommunikationsprofil entwickeln

Sobald du weisst, wen du erreichen willst, beginnt die eigentliche Übersetzungsarbeit: Wie kommunizierst du so, dass deine Zielgruppe sich angesprochen fühlt und nicht nur rational, sondern auch emotional und wertebasiert?

Dafür entwickelst du ein Kommunikationsprofil. Es übersetzt die Fakten aus deiner Zielgruppenanalyse in konkrete kommunikative Entscheidungen: Tonalität, Bildsprache, Formate, Botschaften, Kanäle und Argumentationslinien.

Dabei können dir folgende Leitfragen helfen:

5.1 Welche Sprache spricht deine Zielgruppe?

Spricht sie fachlich-analytisch oder lieber praxisnah und menschlich? Möchte sie mit wissenschaftlichen Fakten überzeugt werden oder mit konkreten Geschichten aus dem Feld? Zum Beispiel:

  • NGOs und Public-Health-Fachpersonen wünschen sich eine respektvolle, klare Sprache, die faktenbasiert, aber verständlich ist.
  • Aktivist:innen oder jüngere Initiativen reagieren stärker auf emotional motivierende Formulierungen und visuelles Storytelling.

Lass Dich dazu von ChatGPT leiten.

5.2. Welche Werte und Haltungen sind zentral?

Dein Kommunikationsstil sollte die Werte deiner Zielgruppe widerspiegeln. In Bezug zum MMS Symposium 2025 sind folgende Werte wichtig: Menschenrechte, Gerechtigkeit, systemisches Denken, Verantwortung. Das bedeutet z. B.: Keine leeren Marketingphrasen, sondern ehrlicher Ton, echte Inhalte und klare Haltung zu globalen Machtverhältnissen.

5.3. Welche Formate funktionieren?

Ein Forschungspapier begeistert die einen, andere steigen erst bei einem Zitat auf LinkedIn oder einem 60-Sekunden-Reel ein. Überlege Dir genau: Braucht meine Zielgruppe Tiefe? Interaktive Formate? Visuelle Anker? Oder eher gezielte Emails, da sie mehr auf Emails reagieren, als auch Social Media.

Beispiel:

  • Newsletter mit konkreten Handlungsoptionen für politisch Engagierte
  • Podium mit Voices from the Global South für forschungsnahe Zielgruppen
  • Instagram-Post mit Zitat + Key-Fact für jüngere oder externe Gruppen

Möglicher ChatGPT Prompt: "okay, wir haben nun das Zielpublikum definiert und die ersten Informationen erarbeitet und kennen ihre Werte. Wie wollen sie angesprochen werden? Wen erreichen wir mit welchem Medium (Social Media, EMail Liste, Posts, Reels etc. ) am besten?


5.4. Welche Tonalität passt?

Unsere Zielgruppe zum Beispiel möchte auf Augenhöhe angesprochen werden und nicht belehrt, und möchte keine Marketing-Floskeln ohne Substanz lesen. Deshalb setzen wir auf eine Tonalität, die:

  • kompetent, aber zugänglich wirkt
  • engagiert, aber nicht moralisierend ist
  • zum Mitdenken einlädt statt bloss informiert

Ein gutes Kommunikationsprofil ist wie ein Kompass. Es hilft dir, all deine Inhalte, Botschaften und Kanäle zielgerichtet auszurichten. Es verhindert Streuverluste, stärkt die Identifikation und sorgt dafür, dass deine Kommunikation nicht nur gehört, sondern verstanden und getragen wird.

6. Social-Media-Timeline & Kommunikationsplan

Nachdem du dein Zielpublikum genau analysiert und daraus ein klares Kommunikationsprofil abgeleitet hast, folgt nun der nächste logische Schritt: eine Social-Media-Timeline und ein durchdachter Kommunikationsplan.

Denn gute Inhalte verpuffen, wenn sie zur falschen Zeit oder auf dem falschen Kanal erscheinen. Und selbst die beste Kampagne bleibt wirkungslos, wenn sie keine konsistente Dramaturgie hat. Was du brauchst, ist ein klarer, phasenorientierter Plan basierend auf den Bedürfnissen und Gewohnheiten deiner Zielgruppe.

Nutze die Zielgruppenanalyse wie ein Navigationsgerät: Sie hilft dir, Inhalte, Ton, Formate und Kanäle sinnvoll zu timen und dein Publikum genau dort abzuholen, wo es gerade steht.

Unsere Zielgruppenanalyse hat mir geholfen einen Kommunikationsplan zu erstellen, den wir in 4 Phasen umsetzen werden. Er sieht etwas wie folgt aus:

Phase 1: Aufmerksamkeit schaffen (Save the Date)

Ziel: Interesse wecken, Sichtbarkeit aufbauen, den Termin in die Kalender bringen.

Typische Inhalte:

  • „Save the Date“-Grafiken mit starkem Titel & Fragestellung
  • Erste provokative Frage: z. B. „Wie viel Macht dürfen Konzerne über unsere Gesundheit haben?“
  • Teaser über Ziele und Relevanz der Veranstaltung

Formate & Kanäle:

  • LinkedIn-Post mit Visuals
  • Kurzes Newsletter-Update
  • Partnernetzwerke aktivieren (Crossposting, Intranet, Newsletter)
  • Storys oder Reels (für jüngere, externe Zielgruppen)


Phase 2: Beteiligung ermöglichen (Call for Abstracts / Mitwirkung)

Ziel: Inhalte gemeinsam gestalten, Mitverantwortung stärken, Co-Creation fördern

Mögliche Inhalte:

  • Offizieller Call for Abstracts: klare Einladung zur Mitgestaltung
  • Reminder: „Letzter Aufruf zur Einreichung!“
  • Motivation: Warum lohnt es sich, einen Beitrag zu leisten?

Formate & Kanäle:

  • E-Mail an Fachnetzwerke & Hochschulen
  • LinkedIn-Post mit Speaker-Zitat oder Best Practice
  • Direct Messages an relevante Multiplikator:innen


Phase 3: Einladung zur Teilnahme (Join the Conversation)

Ziel: Teilnehmer:innen gewinnen, Anmeldung fördern, Barrieren abbauen

Typische Inhalte:

  • Vorstellung des Programms & Speaker
  • Kurzvideos mit Zitaten oder persönlichen Einladungen
  • Argumente: „Warum du teilnehmen solltest“
  • Testimonials von bisherigen Teilnehmenden

Formate & Kanäle:

  • Carousel-Posts mit Highlights
  • E-Mail-Sequenzen, die man auch nach Zielgruppen segmentier könnte (z. B. Forschung / NGOs)
  • Countdown in Storys
  • LinkedIn-Polls oder Fragen zur Diskussion


Phase 4: Vorfreude & Nachhall (Vor dem Event & danach)

Ziel: Letzte Motivation, Community aktivieren, Wirkung verlängern

Typische Inhalte:

  • Reminder mit praktischen Infos (Ort, Sprache, Ablauf)
  • Letzter „Jetzt anmelden!“-Post
  • Live-Updates am Tag des Events
  • Nach dem Event: Key-Learnings, Bilder, Zitate, Ausblick auf 2026

Formate & Kanäle:

  • Slideshows mit Event-Eindrücken
  • Video-Recap oder Speaker-Quotes
  • Danke-Mail mit weiterführenden Ressourcen
  • Abschluss-Newsletter: „Was bleibt und was folgt?“

Tipp: Plane im Voraus

  • Erstelle einen Content-Kalender, damit Du schon im Voraus weisst, was du wann postest
  • Erstelle Vorlagen für Posts & Visuals im Voraus (zB. Canva)
  • Baue Partner:innen-Toolkits mit vorformulierten Texten und Visuals (für Intranet, Social Media etc.)

ChatGPT Prompt: "Erstelle eine Social-Media-Ideenliste für die Kommunikation des Events XY zu […] für die Zielgruppe […] mit den folgenden Werten und Befürfnissen und no-gos […]. Erstelle dazu 10 Hook Titel für Newsletter und LinkedIn Posts."

Ein guter Kommunikationsplan ist kein starrer Fahrplan, sondern ein lebendiges, strategisches Instrument. Er ermöglicht dir, nicht nur regelmässig sichtbar zu sein, sondern auch gezielt Vertrauen aufzubauen, zu aktivieren und zu vernetzen.

Zielgruppenanalyse ist kein "nice to have", sondern der Grundstein für wirksame Kommunikation. Wer seine Zielgruppe versteht, kann Inhalte strategisch planen, Resonanz erzeugen und seine Veranstaltung zum Erfolg führen.

Wir sind gespannt, wie unsere Marketing Strategie dieses Jahr bei unserem Zielpublikum ankommt: Wie viel Macht dürfen Konzerne über unsere Gesundheit haben? Das MMS Symposium 2025 stellt diese Frage nicht nur – wir suchen gemeinsam mit Akteur:innen aus Public Health, NGOs, Forschung und Politik nach Antworten.
Seien Sie Teil einer Bewegung, die Gesundheit als Menschenrecht verteidigt.

Sie können sich jetzt hier zum MMS Symposium 2025 anmelden.


​Carine Weiss
Carine Weiss ist Projektleiterin bei Medicus Mundi Schweiz.