De Livia Kläui
Von gekürzten Entwicklungsgeldern über diskriminierende Gesetzgebungen bis hin zu Angriffen auf medizinisches Personal: Die globale Lage zeigt, wie fragil das Recht auf Gesundheit ist. Und doch gibt es Hoffnung – in Form von mutigen Projekten, engagierten Fachpersonen und politischen Erfolgen. Dieses Bulletin beleuchtet, wo die Herausforderungen liegen – und wo Menschen für ihre Rechte kämpfen.
In der Bundesverfassung sind verschiedene Sozialziele definiert. Eines davon legt fest, dass «jede Person die für ihre Gesundheit notwendige Pflege erhält. Dies in Anlehnung an Artikel 12 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UNO, Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, 1992).
Dieser bestimmt: «Die Vertragsstaaten erkennen das Recht eines jeden auf das für ihn erreichbare Höchstmass an körperlicher und geistiger Gesundheit an. Dies bedeutet, dass die Vertragsstaaten verpflichtet sind, Massnahmen dazu durchzuführen. Nicht juristisch einklagbar ist das «Recht, gesund zu sein» (da dieses u.a. die Lebensrealität von Menschen mit Behinderung und/oder chronischen Krankheiten ungenügend beachten würde).
Doch global ist dieses Recht in Gefahr. Die USA unter der Präsidentschaft von Donald Trump haben die USAID-Gelder massiv gekürzt; damit können wichtige Gesundheitsdienste nicht oder nur mit eingeschränkter Qualität weitergeführt werden – zum Leidwesen jener, die oft bereits zu den Schwächeren in der Gesellschaft gehören.
Die USAID-Kürzungen sind ein gravierendes Beispiel im Kampf um Gesundheitsrechte – aber leider bei weitem nicht das Einzige.
"Ja, wenn man auf die Welt schaut, gibt es grossen Anlass zur Sorge. Und dennoch: es gibt die, die dranbleiben, die einstehen für Menschenrechte und sich im Kampf für Gesundheit nicht unterkriegen lassen. Letztlich ist die Umsetzung des Rechts auf Gesundheit auch eine Frage des politischen Willens." Livia Kläui
In Grossbritannien hat die Regierung für Empörung gesorgt, als sie beschloss, Transfrauen von Frauenrechten auszuschliessen. Dies bedeutet für die Betroffenen einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsleistungen und Schutz – und ist ein Angriff auf die Würde und die Selbstbestimmung von Transgender. Dies bedeutet für die Betroffenen einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsleistungen und Schutz – und ist ein Angriff auf die Würde und die Selbstbestimmung von Transgender
Wo elementare Rechte mit Füssen getreten werden und die mentale wie körperliche Unversehrtheit in Frage gestellt wird, braucht es umso mehr medizinisches Fachpersonal. Doch anstatt dieses zu fördern, gibt es immer mehr Gewalt an Gesundheitspersonal.
Die politische Weltlage ist aktuell von Krieg und Krisen geprägt. Elementare Menschenrechte werden in Frage gestellt; oft trifft es bereits jetzt besonders von Diskriminierung Betroffenen Bevölkerungsgruppen besonders hart: Kinder, queere Personen, Migrant:innen oder Menschen mit Behinderung.
Was tun? Ein Beispiel eines innovativen Projekts wurde in der Republik Mali lanciert. Als achtgrösstes Land des afrikanischen Kontinents reichen die nördlichen Grenzen bis tief in die Wüste. Der südliche Teil des Landes, in dem die Mehrheit der Menschen lebt, liegt in der sudanesischen Savanne und wird von den Flüssen Niger und Senegal durchflossen. Die meisten Einwohner:innen sind in der Landwirtschaft und im Bergbau beschäftigt.
Einen grossen Umbruch erlebte Mali 1969. Während das von General Moussa Traoré dirigierte Militärregime versuchte, eine Wirtschaftsreform durchzuführen, sah sich das Land mit politischen Unruhen und einer verheerenden Dürre konfrontiert, welche von 1968 bis 1974.
Doch auch in dieser unruhigen Zeit gab es Menschen, die die Hoffnung nicht verloren: eine Gruppe von in Frankreich lebenden westafrikanischer Agronom:innen schlosen sich zusammen und gründete das Kollektiv «Groupe de Recherche et de Réalisation pour le Développement Rural» (Grdr). Indem sie Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit und Umwelt initiierte, sollten nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken gefördert werden, die sowohl ökologisch als auch sozial gerecht sind. Damit waren sie Vorreiter der sogenannten «Agrarökologie».
Die öffentliche Gesundheit ist auch in Simbabwe ein grosses Thema. Ungenügende medizinische Versorgung forderte zahlreiche Todesopfer durch Cholera oder HIV – was eigentlich vermeidbar wäre. Auch der Klimawandel stellt eine Bedrohung dar.
Und doch, auch hier gibt es positive Ansätze: Das Land konnte die von der WHO definierten Ziele zur HIV-Bekämpfung bei weitem übertreffen. Dank einem gut koordinierten, sektorübergreifenden Ansatz, der strikten Einhaltung wirksamer politischer Rahmenbedingungen und der strategischen Mobilisierung von Ressourcen war dies möglich. Simbabwe hat gezeigt, dass auch ein Land mit bescheidenen finanziellen Mitteln einiges für das Recht auf Gesundheit machen kann.
Denkt man an Krisengebiete, kommt einem wahrscheinlich schnell die Situation im Nahen Osten in den Sinn. Die Menschen dort sind auf Hilfs- und Entwicklungsprojekte angewiesen. Centrale Sanitaire Suisse Romande (CSSR) unterstützt seit über 15 Jahren Partnerorganisationen in Palästina mit Massnahmen zur körperlichen wie auch zur psychischen Gesundheit – die ebenso von Nöten sind.
Ja, wenn man auf die Welt schaut, gibt es grossen Anlass zur Sorge. Und dennoch: es gibt die, die dranbleiben, die einstehen für Menschenrechte und sich im Kampf für Gesundheit nicht unterkriegen lassen.
Letztlich ist die Umsetzung des Rechts auf Gesundheit auch eine Frage des politischen Willens.
Wie dies konkret aussehen könnte, ist Thema dieses Bulletins.