Von Amina Trevisan
Psychische Gesundheit ist keinesfalls ein Luxus, sondern ein elementares Menschenrecht. Doch obwohl gesundheitliche Chancengleichheit auch ein erklärtes Ziel unserer Gesellschaft ist, entscheidet oftmals die soziale Herkunft einer Person, ob diese gesund bleibt – oder eben nicht. Diese Ungerechtigkeit müssen wir angehen, findet die Autorin.
Psychische Krankheiten bringen für Betroffene oft grosses Leid mit sich. Diese seelische Belastung kann verstärkt werden, wenn Hilfe fehlt. Viele Erkrankte brauchen sehr viel Geduld, denn es fehlt an ausreichend Therapieplätzen, die Wartelisten der Psychologen und Psychiaterinnen sind oft lang. Besonders für Kinder, Jugendliche, Migrierte und Geflüchtete sowie Opfer häuslicher Gewalt ist die Situation prekär. Und nicht selten entscheidet auch das Portemonnaie, wer Unterstützung erhält und für wen es schlicht zu teuer ist.
Im Kanton Basel-Stadt konnte ein gesundheitspolitischer Meilenstein erreicht werden: Aus dem Parlament kam die Forderung nach einer kantonalen Subventionierung der Weiterbildung von psychologischen und ärztlichen Psychotherapeut:innen. Der Grosse Rat hat im April 2025 in Zusammenarbeit mit dem Verband der Psychotherapeut:innen beider Basel eine Motion der Sozialdemokratischen Partei überwiesen, um die angespannte Situation zu entschärfen.
Der Kanton Basel-Stadt wird somit schweizweit als erster Kanton die Weiterbildung von Psychotherapeut:innen subventionieren. Das ist ein grosser gesundheitspolitischer Erfolg. Zukünftig werden die psychotherapeutischen Weiterbildungen vom Kanton Basel-Stadt bis auf eine Semestergebühr von 850 CHF vollständig finanziert.
Heute kostet die Weiterbildung rund 60'000 CHF. Nicht alle verfügen über Ersparnisse oder bekommen eine finanzielle Unterstützung durch die Familie. Gleichzeitig sind immer weniger Universitätsabsolvent:innen bereit, Kredite oder Darlehen aufzunehmen, um mit Schulden ins Berufsleben zu starten, weshalb sie auf eine Psychotherapie-Weiterbildung verzichten.
Dies führt auf lange Sicht zu einem deutlichen Mangel an psychotherapeutischem Nachwuchs. Fehlt es an Psychotherapeut:innen, kann das für Gesellschaft und Wirtschaft gravierende Folgen haben, wenn psychische Erkrankungen unbehandelt bleiben.
Angesichts des Problems fehlender Psychotherapieplätze müssen wir zwingend dafür sorgen, den Beruf der psychologischen und ärztlichen Psychotherapeut:innen attraktiver zu gestalten. Die Subventionierung der Weiterbildung ist ein Teil davon. Eine psychotherapeutische Weiterbildung darf nicht ein Privileg der Wohlhabenden sein.
Es ist wichtig, auch unter den Therapeut:innen eine grössere soziale Diversität zu fördern: Je unterschiedlicher die Biografien sowie die soziale und ethnische Herkunft der Menschen in der Weiterbildung sind, desto näher sind sie an den Lebensrealitäten der heterogenen Bevölkerungsgruppe, die sie therapieren
In Basel freuen wir uns riesig über diesen Erfolg und hoffen, dass er schweizweit wegweisend sein wird!
Damit die Weiterbildung zum Psychotherapeut:in für alle erschwinglich wird, damit alle fair entlöhnt werden, dass ein sofortiger Ausbau von Ausbildungsplätzen erfolgt und der Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle möglich ist – kurz: damit psychische Gesundheit als Menschenrecht umgsetzt wird, braucht es das Engagement von uns allen. Dieses darf und soll laut sein.